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Canicross – Ein Überblick für Einsteiger

von | Okt. 24, 2026 | Zughundesport & Sport mit Hund

Lesedauer: 9 Minuten

Vielleicht ist dir auch schon das eine oder andere Mensch-Hund-Team begegnet, dass durch den Wald gesprintet ist. Und wo der Hund ein Geschirr trug, dass dich an Schlittenhunde erinnert hat. Und du wurdest neugierig, was die da machen. 

Ich kann’s dir sagen: Die Sportart heißt Canicross. Und sie ist nicht nur etwas für Schlittenhunde. Jeder Hund, der gerne läuft, dürfte Gefallen an diesem Sport finden. Was du dazu brauchst erkläre ich dir im Folgenden. 

Was ist eigentlich Canicross?

Canicross gehört zu den Zughundesportarten. In der Regel ist man dabei mit einem, maximal zwei Hunden unterwegs. Als Laufstrecken eigenen sich vorallem weiche Böden, wie du Sie im Wald, auf Feldwegen oder Wiesen findest. Auch kurze Strecken auf Asphalt sind okay, jedoch sollte nicht der Großteil der Laufstrecke dort oder auf gepflasterten Wegen verlaufen.
Canicross, wie auch die anderen Zughundesportarten, wie z.B. Dog-Scooter fahren, sind saisonale Sportarten für die kühlen Jahreszeiten.
Sobald das Thermometer unter 15°C fällt, startet die Saison. Und dauert an, bis das Thermometer wieder mehr als 15°C anzeigt. Die Luftfeuchtigkeit spielt dabei auch eine Rolle. Mehr dazu kannst du in diesem Blogartikel erfahren.

Welche Hunderassen eignen sich für Canicross?

Canicross ist ein Laufsport. Und so eignen sich besonders Hunde, die für das Laufen gemacht sind für diesen Sport. Alle extremen Körperbauten bei unseren Hunden – sehr klein oder riesig, sehr kurze Beine mit einem sehr langen Rücken, etc. – sind für Canicross nicht geeignet.Als Faustregel kann man sagen: Je mehr ein Hund vom Körperbau her einem Schlittenhund, wie dem Siberian Husky oder Alaskan Malamute ähnelt, desto besser ist er für Canicross geeignet. Auch alle Jagdhunderassen wie Pointer, Dalmatiner und Co. sind bestens geeignet.

Mittlerweile gibt es auch Rassemischlinge, die extra für Canicross und Co. gezüchtet werden. In Ihnen finden sich Anteile von Huskies, Pointern und anderen Laufhunden. Die am weitesten verbreiteten und bekannten Mischungen laufen unter den Namen Alaskan Husky und European Husky. Diese Hunde sind allerdings nichts für Canicross-Anfänger. Es sind hochspezialisierte Sporthunde, die ein hohes Maß an Auslastung in Form von Zugarbeit in schnelleren Gangarten brauchen.

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Ungeeignete Hunderassen

Wie bereits angesprochen eigenen Sich alle Hunde bzw. Hunderassen, die körperlich einem Extrem entsprechen nicht für diesen Sport. 

Ganz besonders gilt dies für brachyzephalen Rassen. Sie eignen sich in keiner Weise für den Zughundesport.

Französische und englische Bulldoggen, Boston Terrier, Mops & Co. leiden unter starken Atemwegsproblemen, einer stark eingeschränkten Belastungsgrenze, Problemen der Wirbelsäule (Keilwirbel, Bandscheibenprobleme) und vielen weiteren körperlichen Einschränkungen. Diese gesundheitlichen Probleme werden auch als  brachyzephales Syndrom zusammengefasst. Und um das Argument vorweg zu nehmen: Ja, das gilt auch für die angeblich frei-atmenden Plattnasen von VDH-Züchtern. Auch die leiden unter diesen Problemen, denn der Genpool dieser Rassen gibt leider keinerlei geunsde Hunde mehr her. 

Es versteht sich von selbst, dass ein Hund, der kaum Belastungen aushält, permanent unter Atemnot leidet und sehr schnell überhitzt  definitiv nicht im Zughundesport geführt werden sollte.

Hunde mit sehr langem Rücken und dazu kurzen Beinen, wie z.B. Dackel und Corgie sind ebenfalls wenig geeignet. Die Belastungen für die Wirbelsäule und die Rückenmuskulatur sind für diese Hunde, die zu Bandscheibenvorfällen neigen, schlichtweg zu groß.

Ähnlich verhält es sich bei Hunden, die sehr groß und schwer werden. Dazu zählen insbesondere Bernhardiner, Mastiffs und ähnliche Rassen. Durch das hohe Körpergewicht entsteht eine große Belastung der Gelenke, die schnell zu Verletzungen führen kann. Für solche Rassen bietet sich eher Dog-Hiking an, da man dort wandernd unterwegs ist, was die Belastungen um ein vielfaches senkt.

Voraussetzungen für Hund & Halter*in

Damit ihr lange Spaß an diesem wundervollen Sport habt, ist es wichtig, dass dein Hund und du beim Start ins Canicross fit seid. 

Sofern du schon weißt, dass dein Hund gesundheitliche Probleme hat, ist es unumgänglich, dass du dir vor dem Start des Trainings das Okay vom/von der Tierarzt*in holst.

Bei Veränderungen im Gangbild oder Problemen mit den Gelenken oder Muskeln bietet es sich auch an zusätzlich eine*n Tierphysiotherapeut*in drauf schauen zu lassen.

Das Gleiche gilt auch für dich. Im Zweifelsfall frag‘ deine*n Ärzt*in besser einmal zu viel als zu wenig. Tut auch gar nicht weh – weiß ich aus Erfahrung. Ab einem Alter von 35 Jahren rate ich dir, besonders nach längeren Sportpausen, unbedingt zu einem Sport-Check-Up in deiner Hausarztpraxis.

Altersgrenze für deinen Hund: 12 Monate

Wenn ihr also beide fit und munter seid, ist die nächste kleine Hürde das Alter deines Hundes. Für den Start ins Canicross sollte dein Hund mindestens 12 Monate alt sein. Bei großen Hunderassen, solltest du am besten noch weitere 6 Monate warten, bevor die Hunde das erste Mal längere Zeit im Zug laufen.

Während unsere Hunde wachsen sind ihre Knochen noch relativ weich, die Wachstumsfugen noch nicht geschlossen und sehr verletzungsanfällig. Auch die Bänder und Sehnen haben noch nicht ihre volle Stabilität erreicht. Wenn ihr nun mit sportlichen Belastungen zu früh beginnt, sind Knochen, Bänder und Sehnen auf diese Belastungen nicht vorbereitet. Es kann schnell zu Verletzungen und Belastungsschäden kommen. Und das wollen wir ja verhindern, um die nächsten Jahre noch lange und dauerhaft Spaß mit unseren Hunden am Sport zu haben.

Röntgenbild eines Welpen und eines ausgewachsenen Hund – man kann hier gut sehen, dass die Wachstumsfugen (growth plates) beim Welpen links noch offen und die Knochen allgemein durchscheinender und damit weniger fest sind als die des erwachsenen Hundes rechts. Quelle: www.puppyculture.com

Falls dein Hund noch nicht alt genug ist, ist das kein Grund nicht schon mit dem Grundtraining zu beginnen. Richtungskommandos wie links, rechts und geradeaus lassen sich auch schon mit den Kleinen trainieren.
Den detaillierten Aufbau erkläre ich zum Beispiel auch in meinem Online-Workshop.

Das passende Wetter

Für Canicross ist Schnee und Eis manchmal schon wieder hinderlich, aber kalt darf es gerne sein. Wie bereits geschrieben beginnt die Hauptsaison Ende September und endet meist gegen Ende April.

Die Temperaturen liegen am besten unter 15°C. Auch ein Blick auf die Luftfeuchtigkeit, Windverhältnisse, wie stark die Sonne scheint, wo ihr entlang lauft oder fahrt ist wichtig. Natürlich auch, ob dein Hund viel oder wenig Fell hat und wie gut er mit Wärme und Belastung klar kommt. Wir beraten dich dazu gerne – auch online.

Die passende Canicross-Ausrüstung

Die passende Ausrüstung für dich und deinen Hund ist das A & O. Ohne sie macht Canicross keinen Spas und das Verletzungsrisiko für dich und deinen Hund steigt stark an. Eine fachliche Beratung bei der Auswahl ist daher unumgänglich. 

Bei mir kannst du dir dafür Beratungstermine buchen.

Dein Laufgurt

Seine Aufgabe: Den Zug, den dein Hund auf dich ausübt richtig auf deinen Hüftbereich verteilen, damit ihr beide schön schnell durch den Wald laufen könnt. Du dich dabei nicht verletzt.

Laufgurte findest du in den unterschiedlichsten Varianten: Mit oder ohne Beinschlaufen, einige haben nur einen breiten Zuggurt und sitzen etwas höher am Po. Andere haben zwei Gurte, einen damit der Gurt an Ort und Stelle bleibt und einen weiteren, der den Zug vom Hund auf deinen Hüftbereich verteilt. Oder einen Gurt in der Hüfte und eine Art Höschen, wie im Bild zu sehen.

Aus Erfahrung kann ich nur die letztere Zuggurt-Variante wirklich empfehlen, da sich hier der Druckpunkt richtig positionieren lässt. So ist deine Wirbelsäule optimal geschützt. Sitzt der Gurt zu hoch und dein Hund zieht im Lauf ordentlich nach vorn wird deine Wirbelsäule stark belastet. Das sollte unbedingt vermieden werden.

Sitz der Gurt zu weit unten oder rutscht ohne Zug nach unten kannst du dich darin verheddern und stolpern. Das sollte natürlich auch nicht passieren.

Das Zuggeschirr für deinen Hund

Dass Zuggeschirr für deinen Hund schützt vor allem seine Luft- und Speiseröhre, sowie die Blutgefäße und Nerven im Halsbereich. Ein gutes Zuggeschirr sitzt auf Zug wie eine zweite Haut. Es stellt sicher, dass dein Hund beim Ziehen keine Probleme hat Luft zu bekommen und der Halsbereich nicht abgeschnürt wird. Der Druck wird über die spezielle Form der Geschirre über den Brustbereich nach hinten abgeleitet.

Auch Zuggeschirre gibt es in vielen unterschiedlichen Varianten. Die gängigsten sind X-Back-Geschirre (siehe Bild), wie man sie von den traditionellen Schlittenhunden kennt.

H-Back-Geschirre, die dem X-Back sehr ähnlich sehen, sind eher für Hunde mit einem quadratischem Körperbau geeignet. Als wieter eOption gibt es Kurzgeschirre. Sie finden häufig bei kleinen Hunden Anwendung, weil sie – wie der Name schon sagt – kürzer geschnitten sind als X-Back-Geschirre.

Zusätzlich zum Zuggeschirr ist auch ein Halsband am Hund immer gut, um ihn in Gefahrensituationen nah bei dir halten zu können.

Die Jöringleine

Die Jöringleine verbindet dich und deinen Hund. Es ist eine Leine mit einem eingebauten Ruckdämpfer, meist so um die 2 m lang. Es gibt sie, wie die normalen Führleinen auch, in unzähligen Farben und Varianten.

Je nach Hersteller gibt es Unterschiede in der Stärke der Ruckdämpfer. Einige bieten unterschiedliche Varianten je nach Gewicht des Hundes an, andere nicht. Es gibt auch Jöringleinen, mit denen man mit 2 oder 3 Hunden gleichzeitig laufen kann. Das solltest du aber erst dann in Angriff nehmen, wenn du mit allen Hunden einzeln gut laufen kannst und eine ausreichend kräftige Rücken-, Gesäsß- und Bauchmuskulatur hast, um dem Zug der Hunde stand zu halten.

Der Start ins Training

Das Training solltest du ganz nach der Devise ‚Slow and steady wins the race‘ aufbauen.
 
Je besser die Grundlagen (ein ruhiger, kontrollierter Start und die Richtungskommandos) sitzen, desto einfacher wird das gemeinsame Laufen für dich und deinen Hund.

Zu Beginn steht für euch beide Einzeltraining auf dem Plan. Für deinen Hund heißt es, den ruhigen Start und die Richtungskommandos zu lernen.

Und für dich stehen Lauf- und Krafttraining auf dem Plan, damit du Ausdauer aufbaust und kräftig genug wirst trotz des Zuges von deinem Hund eine gute Lauftechnik beizubehalten.

Die Grundlagen für das Training deines Hundes sind Teil meiner Workshops – sowohl vor Ort, also auch Online.

Dein eigenes Kraft- und Lauftraining ist von sehr vielen Faktoren abhängig. Generelle Trainingsempfehlungen sind daher schwer zu geben. Wichtig ist, dass du Stück für Stück längere Strecken läufst und dich nicht übernimmst. Ganz besonders, wenn du lange nicht traniert hast.

Für eine genaue Trainingsplanung ist ein*e Personal Trainer*in immer zu empfehlen.

Bei mir kannst du sowohl für dich, als auch für deinen Hund individuelles Canicross Training inkl. Fitnesstraining für dich und deinen Hund bekommen.

Ich hoffe, ich konnte dir viele Fragen zum Start ins Canicross beantworten.

Falls du noch mehr Fragen hast, melde dich gerne bei mir.

Ich freu‘ mich von dir zu hören!

Nina

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