Zughundesport im Sommer: Wann ist es zu warm für Sport mit unseren Hunden?

von | Jun 16, 2021 | Training, Gesundheit, Gesundheit, Hund

Lesedauer: 10 Minuten

Lange haben sich viele danach gesehnt: längere Tage, wärmere Temperaturen, die Sonne scheint einem ins Gesicht – Endlich ist der Sommer da!

Mit ihm kommt aber nicht nur Entspannung und schönes Wetter. Er bringt auch viele Fragen mit sich, was den Zughundesport angeht. Wann ist es zu warm für unsere vierbeinigen Trainingspartner? Was geht vielleicht doch noch und wann sollten wir besser pausieren?

In meinem heutigen Blogartikel möchte ich dir Antworten auf genau diese Fragen geben.

zughundesport im Sommer

Bei der Frage nach dem ‚zu warm‘ ist es immer wichtig zu schauen, was du mit deinem Hund vorhast und wie stark er belastet wird. Zudem spielt auch die Temperatur und Luftfeuchtigkeit eine große Rolle. Auch wo du dich mit deinem Hund bewegst ist von Bedeutung.

Eine große entspannte Runde im schattigen Wald joggen geht vielleicht noch an einem warmen Sommertag. 3km Canicross am frühen Morgen bei 10°C und leichtem Bodennebel kann dagegen schon ‚zu viel‘ sein.

 

Hunde schwitzen nicht wie wir

Hunde regeln ihre Körpertemperatur zu ca. 80% über das Hecheln. Dabei verdunstet, ganz einfach erklärt, Feuchtigkeit auf ihren Schleimhäuten im Maul und kühlt die Hunde ab. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Luftfeuchtigkeit und die Umgebungstemperatur nicht zu hoch sind. Ist eines von beiden der Fall funktioniert die Kühlung unserer Hunde nicht mehr optimal und wir müssen darauf achten die Belastung anzupassen.

Die folgende Tabelle der Australian Sleddog Sports Association Inc. zeigt Richtwerte für Canicross-, Bike-Jöring und Dog-Scooter-Rennen, dabei finden sowohl Temperatur als auch die Luftfeuchtigkeit Beachtung.

Natürlich solltest du diese Tabelle nicht als das absolute Maß der Dinge nehmen, denn jeder Hund ist anders. Aber ich finde sie ist ein gutes Werkzeug, mit dem du dich langsam an die Grenzen deines Hundes heran tasten kann.

Kastration beim Hund Nina Hammig Training für Mensch und Hund

Wenn es wärmer hat es sich bewährt das Training mit Hund in die kühlen Stunden am frühen Morgen, vorausgesetzt es ist nicht zu feucht, oder in die späten Abendstunden zu verlegen. Passe zudem die Streckenlängen und euer Tempo an.

 

Am Ende zählt dein Bauchgefühl

Du kennst deinen Hund am Besten, achte darauf, wie und mit wie viel Freude er läuft und ob Du Veränderungen zu eurem Winter-Training bemerkst. Wenn Du während des Trainings merkst, dass es doch nicht die beste Entscheidung war mit Hund zu laufen, dann beende das Training einfach. Leine deinen Hund vom Zuggeschirr aufs Halsband um und gehe entspannt mit ihm nach hause. Vielleicht gibt es dabei ja auch noch die Chance auf einen Abstecher in den See oder einen Bach.

Es ist keine Schande ein Training abzubrechen, weil man die Situation falsch eingeschätzt hat. Das passiert jedem von uns mal.

Wichtig ist die richtige Entscheidung für deinen Hund zu treffen, sobald uns im Training auffällt, dass das Wetter doch nicht fürs Training passt.

Sport mit hund im sommer Nina Hammig Training für Mensch & Hund

Alternativen für Mensch & Hund

Im Sommer gönnen wir unseren Hunden Nero und Loki eine Pause vom Zughundesport. Bewegung darf und soll sein, damit sie ‚in Form‘ bleiben. Es gibt tolle Alternativen, die nichts mit dem Laufen auf Zug zu tun haben und unsere Hunde trotzdem toll auslasten können.

Schwimmen tut sowohl uns, als auch unseren Hunden gut. Es ist ein tolles Kraft- und Ausdauertraining und viele Hunde sind im Sommer gerne im Wasser unterwegs. Nutz’ das gerne aus, wenn Du eine Wasserratte hast!

Sport mit Hund im Sommer Nina Hammig Training für Mensch & Hund

Auch längere Wanderungen im Wald oder entlang schattiger Wege in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden bieten sich als Alternative an. Hier kannst Du auch super die Richtungskommandos mit deinem Hund festigen, die schöne Umgebung genießen und vom Alltag abschalten.

Falls du ein Frühaufsteher bist und dich morgens um 4 oder 5 Uhr zum Sport aufraffen kannst – und damit meine ich sowohl dich, als auch deinen Hund – wäre auch ein Training auf Zug so früh am morgen möglich. Die Strecke und euer Tempo natürlich an die Temperaturen angepasst. Wichtig ist, dass Du schaust, dass es so früh am morgen auch deinem Hund Spaß macht.

Mit meinen beiden Schnarchnasen geht da z.B. so gar nichts um die Uhrzeit.

Natürlich kannst du, mit einer Schnarchnase zu hause, auch dein Eigentraining in Angriff nehmen und den Sommer dafür nutzen, mehr allein zu trainieren. Das geht dann auch früh morgens super!

Zughundesport im Sommer: Symptome des Hitzschlags

Erste Anzeichen für eine Überhitzung deines Hunde können bereits starkes Hecheln mit langgestrecktem Hals und ein sehr weit aufgerissenes Maul sein. Zudem versuchen viele Hunde nervös ins Kühle oder an ein schattiges Plätzchen zu gelangen.

Einen Hitzschlag erkennst Du an diesen Symptomen:

Sehr schnelle, flache Atmung

Tiefrote Schleimhäute

Starkes Speicheln

Taumeln, wackeliger Gang

Teilnahmslosigkeit

Körpertemperatur über 40°C

Durchfall und Erbrechen

Hitzschläge können nicht nur bei warmen Temperaturen, sondern auch bei starken Belastungen oder eine Kombination aus beidem entstehen. Und nicht zuletzt, wenn Hunde z.B. im Sommer im Auto gelassen werden.

Erste Hilfe beim Hitzschlag

Wichtig ist bei Hunden zu unterscheiden, ob Sie noch bei Bewusstsein sind oder nicht, danach entscheidet sich, wie Du vorgehen solltest.

Wenn der Hund bei Bewusstsein ist, dann

bring ihn an einen kühlen, schattigen Ort

kühle ihn an vorsichtig ab: Am besten machst Du ein Handtuch mit KÜHLEM Wasser nass und legst es dem Hund um die Beine

biete ihm reichlich Wasser zum trinken an – lauwarmes Wasser, kein eiskaltes!

bring ihn schnellstmöglich zum Tierarzt

 

Wenn der Hund nicht mehr bei Bewusstsein ist

lege ihn in die rechte Seitenlage

strecke vorsichtig den Kopf und Hals und schaue, dass die Zunge die Atemwege nicht versperrt

bring ihn schnellstmöglich zum Tierarzt

Sollte der Hund nicht mehr atmen, ist zu prüfen, ob Erbrochenes die Atemwege blockiert und dann sollte mit einer Herzdruckmassage begonnen werden. Hier hilft keine Erklärung, sowas sollte man praktisch üben.

Hier geht’s zu den Terminen für die Erste Hilfe am Hund

Erste Hilme am Hund

Zu guter Letzt’: Die Sache mit dem Rad fahren…

Die Sonne scheint, die Temperaturen sind für uns angenehm warm und beim Radfahren weht uns noch ein leichter Wind um die Nase. Einfach herrlich und so schön entspannend. Und das möchten viele, verständlicherweise, mit dem Hund genießen.

Doch leider genießen Hunde das Laufen neben dem Rad meist weniger als die Menschen darauf. Neben der Gefahr einen Hitzschlag zu erleiden besteht noch eine ganz andere Gefahr: verbrannte Pfoten.

Die meisten fahren auf gepflasterten oder geteerten Wegen Rad, häufig gibt es keinen kühlren Grünstreifen auf dem die hunde laufen können. Die Folge: Der Untergrund ist so heiß, dass sich die Hunde die Pfoten verbrennen. Und trotzdem laufen sie weiter brav neben dem Rad her, weil sie einfach gefallen wollen und auch keine große Wahl haben, meist ist sind ja Leine und Halsband oder Geschirr am Hund.

Dementsprechend gilt auch für’s Rad fahren: Bitte in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden verlegen.

 

Kommt gut durch den Sommer und genießt die Zeit mit euren Hunden!

Quellen und Lesetipps:

>> Empathisch zu sein bedeutet, die Welt durch die Augen der anderen zu sehen und nicht unsere Welt in ihren Augen. <<

Carl R. Rogers

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