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Canicross – Ein Überblick für Einsteiger

von | Sep 4, 2022 | Mensch & Hund, Training

Lesedauer: 11 Minuten

In diesem Blogartikel findest du Antworten auf viele Fragen zum Thema Canicross.

Wir schauen uns an, welche Voraussetzungen du und dein Hund erfüllen solltet, was ihr an Equipment benötigt und wie ihr ins Training starten könnt.

Zughundesport nina Hammig
Canicross gehört zu den Zughundesportarten. In der Regel ist man dabei mit einem Hund gemeinsam unterwegs. Gemeinsam läuft man, im besten Fall, durch Wälder oder über Felder und Wiesen.
Längere Laufstrecken auf Asphalt und gepflasterten Wegen sollten nur die Ausnahme darstellen. 
Canicross sollte nur in den kühleren Jahreszeiten von ca. Ende September/Anfang Oktober bis ca. Ende April betrieben werden.

Welche Hunderassen eignen sich für Canicross?

Da du im Canicross mit deinem Hund läufst und dieser nur dein Gewicht zieht bzw. nur dich als Gegengewicht an der Leine hat, ist diese Sportart für nahezu alle gesunden Hunde aller Größen geeignet. Alle plattnasigen Hunde sind leider generell davon ausgenommen.

Auch sehr kurzbeinige Hunde mit langem Körper, die z.B. Dackel und sehr schwerfällig Hunde wie Bernhardiner oder Mastiffs sind für diesen Sport nicht wirklich geeignet.

Als Faustregel kann man sagen: Je mehr ein Hund vom Körperbau her einem Schlittenhund, wie dem Siberian Husky oder Alaskan Malamute ähnelt, desto besser ist er für Canicross geeignet. 

Canicross Hunderassen

Ungeeignete Hunderassen

Brachyzephalen Rassen eignen sich nicht zum Zughundesport.

Hunderassen wie französische und englische Bulldoggen, Boston Terrier, Mops & Co. leiden unter starken Atemwegsproblemen, einer stark eingeschränkten Belastungsgrenze, Problemen der Wirbelsäule (Keilwirbel, Bandscheibenprobleme). Diese gesundheitlichen Probleme werdenals  brachyzephales Syndrom zusammengefasst.

Es versteht sich wohl von selbst, dass ein Hund, der kaum Belastungen aushält, permanent unter Atemnot leidet und sehr schnell überhitzt  definitiv nicht im Zughundesport geführt werden sollte.

Hunde mit sehr langem Rücken und dazu kurzen Beinen, wie z.B. Dackel und Corgie sind ebenfalls wenig geeignet. Die Belastungen für die Wirbelsäule und die Rückenmuskulatur sind für diese Hunde einfach zu groß.

Ähnlich verhält es sich bei Hunden, die sehr groß und schwer werden. Dazu zählen insbesondere Bernhardiner, Mastiffs und ähnliche Rassen. Durch das hohe Körpergewicht entsteht eine große Belastung der Gelenke, die schnell zu Verletzungen führen kann. Für solche Rassen bietet sich eher Dog-Hiking an, da man dort wandernd unterwegs ist, was die Belastungen um ein vielfaches senkt.

Voraussetzungen für Hund & Halter*in

Wie schon in meinem Blogartikal zum Fitnesstraining mit Hund angesprochen, ist es wichtig, dass dein Hund fit und gesund ist. Das ist unabhängig von der Sportart.

Sofern du schon weißt, dass dein Hund gesundheitliche Probleme hat ist es unumgänglich, dass du dir vor dem Start des Trainings das Okay vom/von der Tierarzt*in holst.

Bei Veränderungen im Gangbild oder Problemen mit den Gelenken oder Muskeln bietet es sich auch an zusätzlich eine*n Tierphysiotherapeut*in drauf schauen zu lassen.

Das Gleiche gilt übrigens auch für dich. Im Zweifelsfall frag‘ deinen Arzt besser einmal zu viel als zu wenig. Tut auch gar nicht weh – weiß ich aus Erfahrung. Ab einem Alter von 35 Jahren rate ich dir, besonders nach längeren Sportpausen, unbedingt zu einem Check-Up bei deinem Arzt.

Altersgrenze für deinen Hund: 12 Monate

Wenn ihr also beide fit und munter seid, ist die nächste kleine Hürde das Alter deines Hundes. In der Regel sollten Hunde für den Start im Zughundetraining mindestens 12 Monate alt sein, bei sher großen Hunderassen wird geraten noch weitere 6 Monate zu warten, bevor die Hunde das erste Mal längere Zeit im Zug laufen.

Während unsere Hunde wachsen sind ihre Knochen noch relativ weich und auch die Bänder und Sehnen haben noch nicht ihre volle Stabilität erreicht. Wenn nun mit sportlichen Belastungen zu früh beginnt sind Knochen, Bänder und Sehnen auf diese Belastungen nicht vorbereitet. Es kann schnell zu Verletzungen und Belastungsschäden kommen. Und das wollen wir ja verhindern, um die nächsten Jahre noch lange und dauerhaft Spaß mit unseren Hunden am Sport zu haben.

Röntgenbild eines Welpen und eines ausgewachsenen Hund – man kann hier gut sehen, dass die Wachstumsfugen (growth plates) beim Welpen links noch offen und die Knochen allgemein durchscheinender und damit weniger fest sind als die des erwachsenen Hundes rechts. Quelle: www.puppyculture.com

Falls dein Hund noch nicht alt genug ist, ist das kein Grund nicht schon mit dem Grundtraining zu beginnen. Richtungskommandos wie links, rechts und geradeaus lassen sich auch schon mit den Kleinen trainieren.
Den detaillierten Aufbau erkläre ich zum Beispiel auch in meinem Online-Workshop.

Das passende Wetter

Für Canicross ist Schnee und Eis manchmal schon wieder hinderlich, aber kalt darf es gerne sein. Wie bereits geschrieben beginnt die Hauptsaison Ende September und endet meist gegen Ende April.

Die Temperaturen liegen am besten unter 15°C. Auch ein Blick auf die Luftfeuchtigkeit, Windverhältnisse, wie stark die Sonne scheint und wo ihr entlang lauft oder fahrt ist wichtig. Hier kann ein*e erfahrener Trainer*in dich ausführlich beraten.

Die passende Canicross-Ausrüstung

Bei der Ausrüstung empfehle ich dir, dich in einem Fachhandel oder bei einem Zughundetrainer beraten zu lassen. Der richtige Sitz des Zuggeschirrs und Zuggurtes ist unglaublich wichtig, damit es nicht zu Fehlbelastungen und Verletzungen kommt.

Bei mir kannst du dir dafür auch Termine buchen.

Dein Laufgurt

 Die Aufgabe des Gurtes: Den Zug, den dein Hund auf dich ausübt richtig auf deinen Hüftbereich verteilen, damit ihr beide schön schnell durch den Wald laufen könnt und Du dich dabei nicht verletzt.

Laufgurte findest du in den unterschiedlichsten Varianten: Mit oder ohne Beinschlaufen, einige haben nur einen breiten Zuggurt und sitzen etwas höher am Po. Andere haben zwei Gurte, einen damit der Gurt an Ort und Stelle bleibt und einen weiteren, der den Zug vom Hund auf deinen Hüftbereich verteilt. Oder einen Gurt in der Hüfte und eine Art Höschen, wie im Bild zu sehen.

Aus Erfahrung kann ich nur die letztere Zuggurt-Variante wirklich empfehlen, da sich hier der Druckpunkt richtig positionieren lässt, sodass deine Wirbelsäule optimal geschützt ist. Sitzt der Gurt zu hoch und dein Hund zieht im Lauf ordentlich nach vorn wird deine Wirbelsäule stark belastet. Das sollte unbedingt vermieden werden.

Sitz der Gurt zu weit unten oder rutsch ohne Zug nach unten kannst du dich darin verheddern und stolpern. Das sollte natürlich auch nicht passieren.

Das Zuggeschirr für deinen Hund

Das Zuggeschirr für deinen Hund schützt vor allem seine Luft- und Speiseröhre, sowie die Blutgefäße und Nerven im Halsbereich. Ein gutes Zuggeschirr sitzt auf Zug wie eine zweite Haut. Es stellt sicher, dass dein Hund beim Ziehen keine Probleme hat Luft zu bekommen und der Halsbereich nicht abgeschnürt wird. Der Druck wird über die spezielle Form der Geschirre über den Brustbereich nach hinten abgeleitet.

Auch Zuggeschirre gibt es in vielen unterschiedlichen Varianten. Die gängigsten sind X-Back-Geschirre (siehe Bild), wie man sie von den traditionellen Schlittenhunden kennt.

H-Back-Geschirre die dem X-Back sehr ähnlichsehen, aber eher für Hunde mit einem quadratischem Brustkorb/ Körperbau geeignet sind und Kurzgeschirre, die häufig bei kleinen Hunden verwendet werden, finden auch häufig Verwendung.

Zusätzlich zum Zuggeschirr ist auch ein Halsband am Hund immer gut, um ihn in Gefahrensituationen nah bei sich halten zu können.

Die Jöringleine

Die Jöringleine verbindet dich und deinen Hund. Es ist eine Leine mit einem eingebauten Ruckdämpfer, meist so um die 2 m lang. Es gibt sie, wie die normalen Führleinen auch, in unzähligen Farben und Varianten.

Je nach Hersteller gibt es Unterschiede in der Stärke der Ruckdämpfer. Einige bieten unterschiedliche Varianten je nach Gewicht des Hundes an, andere nicht. Es gibt auch Jöringleinen, mit denen man mit 2 oder 3 Hunden gleichzeitig laufen kann. Das solltest du aber erst dann in Angriff nehmen, wenn du mit allen Hunden einzeln gut laufen kannst und eine ausreichend kräftige Rücken-, Gesäsß- und Bauchmuskulatur hast, um dem Zug der Hunde stand zu halten.

Der Start ins Training

Das Training solltest du ganz nach der Devise ‘Slow and steady wins the race’ aufbauen.
Je besser die Grundlagen wie ein ruhiger Start und die Richtungskommandos sitzen, desto einfach wird das gemeinsame Laufen für dich und deinen Hund.

Zu Beginn steht für euch beide Einzeltraining auf dem Plan. Für deinen Hund heißt es, den ruhigen Start und die Richtungskommandos lernen.

Und für dich stehen Lauf- und Krafttraining auf dem Plan, damit du Ausdauer aufbaust und kräftig genug wirst trotz des Zuges von deinem Hund eine gute Lauftechnik beizubehalten.

Die Grundlagen für das Training deines Hundes sind Teil meiner Workshops – sowohl vor Ort, also auch Online.

Dein eigenes Kraft- und Lauftraining ist von sehr vielen Faktoren abhängig. Generelle Trainingsempfehlungen sind daher schwer zu geben. Wichtig ist, dass du Stück für Stück längere Strecken läufst und dich nicht übernimmst. Ganz besonders, wenn du lange nicht traniert hast.

Für eine geneua Trainingsplanung ist ein*e Personal Trainer*in immer zu empfehlen.

Bei mir kannst du sowohl für dich, als auch für deinen Hund individuelles Canicross Training bekommen.

Ich hoffe, ich konnte dir viele Fragen zum Start ins Canicross beantworten.

Falls du noch mehr Fragen hast, melde dich gerne bei mir.

Ich freu’ mich von dir zu hören!

Nina

>> Was machen eigentlich Menschen ohne Hund?

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