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Canicross & Co im Sommer: Wann wird’s zu heiß?

von | Juni 20, 2021 | Zughundesport & Sport mit Hund

Lesedauer: 8 Minuten

Lange haben sich viele danach gesehnt: längere Tage, wärmere Temperaturen, die Sonne scheint einem ins Gesicht – Endlich ist der Sommer da!

Mit ihm kommt aber nicht nur Entspannung und schönes Wetter. Er bringt auch viele Fragen mit sich, was Canicross und Co. angeht. Wann ist es zu warm für unsere vierbeinigen Trainingspartner und wie geht vielleicht doch noch was im Training? 

In meinem heutigen Blogartikel möchte ich dir Antworten auf genau diese Fragen geben.

Anmerkung: Diesen Blogartikel habe ich im Juni 2021 geschrieben und im Juni 2026 überarbeitet. 

Wann ist ‚warm‘ einfach zu warm?

Wenn du dir die Frage stellst, ob es schon zu warm ist, kommt es immer darauf an, was du mit deinem Hund planst.

Die 5km Canicross-Runde bei 15°C am Morgen durch den Wald mit hoher Luftfeuchtigkeit kann schon zu viel sein. Und die gleichen Bedingungen können für ein reines Kommando-Training, bei dem du Start- & Stopp-Signal und Co. festigst genau richtig sein.

Und mit dem Scooter oder Bike sieht das ganze nochmal ganz anders aus.

Aber lass uns erstmal bei den Grundlagen beginnen. So kannst du am Ende genau entscheiden, welche Trainingsmöglichkeiten dein Hund und du bei welchem Wetter habt.

Wie schwitzen Hunde eigentlich? 

Wir haben über unseren gesamten Körper Schweißdrüsen verteilt und so eine sehr große Fläche zur Verfügung, um zu schwitzen und unsere Temperatur zu regeln.Aber da, wo wir nackte bzw. sehr wenig behaarte Haut haben, haben unsere Hunde dichtest Fell. Da wird es mit dem Schwitzen schwierig. 

Aus diesem Grund regeln Hunde ihre Körpertemperatur zu ca. 80% über das Hecheln. Die Feuchtigkeit auf ihren Schleimhäuten im Maul verdunstet beim Hecheln und kühlt so das Blut in den unzähligen kleinen Blutgefäßen in den Schleimhäuten ab. Und so wird die Körpertemperatur unserer Hunde ebenfalls gekühlt. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Luftfeuchtigkeit und die Umgebungstemperatur nicht zu hoch sind.

Ist die Luft zu feucht, wie z.B. bei dichtem Bodennebel am Morgen, verdunstet weniger Feuchtigkeit im Maul und der notwendige Kühleffekt bleibt aus. Ähnliches passiert, wenn die Luft zu warm ist. Dann verdunstet zwar ausreichend Feuchtigkeit, aber durch die warme Umgebungstemperatur  verpufft die kühlende Wirkung auf den Schleimhäuten sofort wieder. 

Für den Zughundesport mit unseren Hunden orientiere ich mich gerne an der Tabelle der Australian Sleddog Sports Association Inc.. Sie wurde in Zusammenarbeit mit Tierärzt*innen entwickelt und zeigt Richtwerte für Canicross-, Bike-Jöring und Dog-Scooter-Rennen. Es werden sowohl die Temperaturen, als auch die Luftfeuchtigkeit bedacht und Empfehlungen gegeben, ab wann z.B.Strecken gekürzt oder auch gar nicht mehr gefahren und gelaufen werden sollte. Und das in allen Fällen bei schattigen Runden. 

Natürlich solltest du diese Tabelle nicht als das absolute Maß der Dinge nehmen und laufen gehen, nur weil die Tabelle sagt, es geht, wenn du das Gefühl hast, dein Hund würde bei 20°C und 10% Luftfeuchtigkeit doch lieber zuhause bleiben. Jeder Hund ist anders und diese Tabelle stellt in gutes Werkzeug dar, mit dem du dich langsam an die Grenzen deines Hundes heran tasten kannst.

Kastration beim Hund Nina Hammig Training für Mensch und Hund

Dein Bauchgefühl zählt

Du kennst deinen Hund am Besten, achte darauf, wie und mit wie viel Freude er läuft und ob Du Veränderungen zu eurem Winter-Training bemerkst. Wenn Du während des Trainings merkst, dass es doch nicht die beste Entscheidung war mit Hund zu laufen, dann beende das Training einfach. Leine deinen Hund vom Zuggeschirr aufs Halsband um und gehe entspannt mit ihm nach hause. Vielleicht gibt es dabei ja auch noch die Chance auf einen Abstecher in den See oder einen Bach.

Es ist keine Schande ein Training abzubrechen, weil man die Situation falsch eingeschätzt hat. Das passiert jedem von uns mal.

Wichtig ist die richtige Entscheidung für deinen Hund zu treffen, sobald dir im Training auffällt, dass das Wetter doch nicht fürs Training passt. Oder dein Hund einfach einen schlechten Tag hat und mit den Temperaturen doch nicht so gut klar kommt. 

Alternativen für Mensch & Hund

Im Sommer gönnen wir unseren Hunden Nero und Loki eine Pause vom Canicross. Bewegung darf und soll sein, damit sie ‚in Form‘ bleiben. Es gibt tolle Alternativen, die nichts mit dem Laufen auf Zug zu tun haben und den beiden trotzdem richtig großen Spaß machen.

Schwimmen tut sowohl uns, als auch unseren Hunden gut. Es ist ein tolles Kraft- und Ausdauertraining und viele Hunde sind im Sommer gerne im Wasser unterwegs. Nutz‘ das gerne aus, wenn Du eine Wasserratte hast!

Sport mit Hund im Sommer Nina Hammig Training für Mensch & Hund

Auch längere Wanderungen im Wald oder entlang schattiger Wege in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden bieten sich als Alternative an. Hier kannst Du auch super die Richtungskommandos mit deinem Hund festigen, die schöne Umgebung genießen und vom Alltag abschalten.

Falls du ein Frühaufsteher bist und dich morgens um 4 oder 5 Uhr zum Sport aufraffen kannst – und damit meine ich sowohl dich, als auch deinen Hund – wäre auch ein kurze Canicross Runde früh am morgen möglich. Die Strecke und euer Tempo natürlich an die Temperaturen angepasst. Wichtig ist, dass Du schaust, dass es so früh am morgen auch deinem Hund Spaß macht.

Mit meinen beiden Schnarchnasen geht da z.B. so gar nichts um die Uhrzeit. Mal ganz davon abgesehen, dass ich mich den beiden mittlerweile angepasst habe und auch lieber noch ein Stündchen länger im Bett bleibe….

Natürlich kannst du über die warmen Sommermonate hinweg dein eigenes Training in Angriff nehmen. Intervalltraining beim Laufen und Krafttraining für eine stabile, kräftige Rumpfmuskulatur kommen dir besonders beim Canicross zu Gute. 

Exkurs: so erkennst du einen Hitzschlag

Es passiert schneller als man denkt und der Hund hat einen Hitzschlag. Nicht nur das Warten im Auto bei warmen Temperaturen, auch starke Belastungen in der Sonne, wie Ball spielen oder Rennspiele mit dem besten Hundekumpel können dazu führen. Hunderassen mit kurzen Schnauzen sind in ihrer Temperaturregulation zusätzlich eingeschränkt und können noch schneller als andere Hunde einen Hitzschlag erleiden. Da reicht unter Umständen schon der Spaziergang bei 20°C in der Sonne aus.

Ein Hitzschlag ist immer ein Notfall, denn die Überhitzung im Körper sorgt dafür, dass die Körperzellen absterben. Folgen davon, wie etwas Nieren- und Leberschädigungen, können noch Stunden oder Tage später auftreten. Darum ist es besonders wichtig, die Symptome gut zu kennen und schnell zu reagieren.

Erste Anzeichen für eine Überhitzung deines Hunde können starkes Hecheln mit langgestrecktem Hals und ein sehr weit aufgerissenes Maul sein. Zudem versuchen viele Hunde nervös ins Kühle oder an ein schattiges Plätzchen zu gelangen.

Die häufigsten Symptome sind

 Sehr schnelle, flache Atmung
 Tiefrote Schleimhäute
 Starkes Speicheln
 Taumeln, wackeliger Gang
Teilnahmslosigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit
 Körpertemperatur über 40°C
Durchfall und Erbrechen

Erste Hilfe beim Hitzschlag

Bei einem Hitzschlag ist schnelles Handeln erforderlich: 

  • Als erstes sollte der Hund auf jeden Fall an einen schattigen Platz gebracht werden 
  • Eine schnelle Abkühlung am ganzen Körper kann das Leben des Hundes retten. Sollte eine Regentonne, See oder ähnliches in der Nähe sein tauchen den Hund, soweit wie möglich ein. Im Idealfall ist das Wasser möglichst kalt und du kannst den Hund soweit eintauchen, dass nur der Kopf noch herausschaut. Nach wenigen Sekunden holst du den Hund wieder aus dem Wasser. 
  • Im Anschluss solltest du so schnell wie möglich eine*n Tierärzt*in aufsuchen und deinen Hund durchchecken lassen. 

Falls du dir jetzt denkst „Eigentlich soll man Hunde und Menschen mit einem Hitzschlag doch langsam und vorsichtig abkühlen, damit der Kreislauf nicht zusammen bricht“, dann ist das eine veraltetet Info zu diesem Thema. Neuere Studien haben gezeigt, dass der positive Effekt auf die Folgeschäden durch den Hitzschlag durch das schnelle, starke Abkühlen deutlich gegenüber dem Risiko für einen Kreislaufstillstand überwiegen.

Erste Hilme am Hund

Zu guter Letzt‘: Die Sache mit dem Rad fahren…

Die Sonne scheint, die Temperaturen sind für uns angenehm warm und beim Radfahren weht uns noch ein leichter Wind um die Nase. Einfach herrlich und so schön entspannend. Und das möchten viele, verständlicherweise, mit dem Hund genießen.

Doch leider genießen Hunde das Laufen neben dem Rad meist weniger als die Menschen darauf. Neben der Gefahr einen Hitzschlag zu erleiden besteht noch eine ganz andere Gefahr: verbrannte Pfoten.

Die meisten fahren auf gepflasterten oder geteerten Wegen Rad, häufig gibt es keinen kühleren Grünstreifen auf dem die Hunde laufen können. Die Folge: Der Untergrund ist so heiß, dass sich die Hunde die Pfoten, durch den zusätzlichen Druck, der beim Rennen neben dem Rad entsteht, verbrennen. Und trotzdem laufen sie weiter brav neben dem Rad her, weil sie einfach gefallen wollen und auch keine große Wahl haben. Meist ist sind ja Leine und Halsband oder Geschirr am Hund.

Dementsprechend gilt auch für’s Rad fahren: Bitte in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden verlegen.

Kommt gut durch den Sommer und genießt die Zeit mit euren Hunden!

Quellen und Lesetipps:

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