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Die Läufigkeit der Hündin

von | Aug 7, 2022 | Gesundheit, Hund

Lesedauer: 8 Minuten

Die Läufigkeit von Hündinnen beschäftigt irgendwann jede*n Hundehalter*in.

Sei es nun, weil wir unser Leben mit einer Hündin teilen oder wir ab und an einen liebestollen Rüden an der Leine haben, der wie ausgewechselt zu sein scheint.

Je besser wir über die Läufigkeit der Hündin Bescheid wissen, desto besser können wir auch unsere Hunde verstehen.

Läufigkeit der Hündin

Die meisten Hündinnen werden im Alter von 7 bis 10 Monaten zum ersten Mal läufig. Bei sehr großen Hunderassen oder wenn die Hündin unter großem Stress leidet, kann es auch länger dauern. Im Anschluss werden Hündinnen dann in etwa alle 6 Monate läufig.

Erst nach rund 3 Läufigkeiten geht man davon aus, dass Hündinnen körperlich und geistig völlig ausgereift sind.

Wie bei Rüden auch, sind die Sexualhormone der Hündin für ihre körperliche und geistige Entwicklung unglaublich wichtig und es sollte möglichst nicht vor der dritten Läufigkeit kastriert werden. Wenn medizinische Gründe vorliegen ist das natürlich etwas anderes.

Wie erkennt man die Läufigkeit? Und wie lange dauert sie?

Die Phasen der Läufigkeit

Der Proöstrus (Vorbrunst) zeigt den Beginn der Läufigkeit an.  In einem Zeitfenster von 3 bis 17 Tagen schwillt die Scheide der Hündin langsam an, Rüden werden interessierter an der Hündin. Die Hündin hat selbst aber noch kein Interesse an Rüden. In dieser Zeit kann die Hündin die Rüden unter Umständen sehr entschieden zurückweisen. Abwehrknurren und gar Schnappen sind keine Seltenheit und unter Hunden ganz normale Kommunikation. Es ist auch möglich, dass die Hündin schlechter frisst und gegenüber anderen Hündinnen aggressiver wird.

Die anschließende Phase, der sogenannte Östrus (Brunst) oder Standhitze folgt im Anschluss. Diese Phase lässt sich häufig daran erkennen, dass die Hündin Blut/ blutigen Ausfluss verliert. Auch diese Phase dauert bei Hündinnen unterschiedlich lange. In der Regel zwischen 3 Tagen und 3 Wochen.

In dieser Zeit ist die Hündin sehr an Rüden interessiert und lässt diese ggf. auch aufreiten. Es gilt also sehr gut aufzupassen, dass es nicht zu ungewollter Paarung zwischen Hündin und Rüde kommt!

Sollten sich eine Hündin und ein Rüde ungewollt paaren, ist es wichtig diese keinesfalls gewaltsam zu trennen. Rüden besitzen einen Penisknochen und beim gewaltsamen Trennen der beiden kann es zu schwersten Verletzungen bei der Hündin und dem Rüden kommen.

Sobald Rüde und Hündin sich selbst trennen, sollte mit dem Tierarzt der Hündin Rücksprache gehalten werden, wie man vorgehen möchte.

Sobald die Paarungsbereitschaft endet geht die Hündin in den Metöstrus, die Nachbrunst, über. Diese dauert 9 – 12 Wochen. In diesem Zeitraum ist sowohl eine Scheinschwangerschaft von ca. 63 Tagen Dauer als auch der Übergang in die Scheinmutterschaft im Anschluss möglich.

Der Anöstrus (Ruhephase) schließt sich an die Zeit des Metöstrus an. Diese Phase kann 3 bis 8 Monate dauern und ist der beste Zeitraum für die Kastration der Hündin.  

Hundetraining Geduld Nina Hammig

Scheinträchtigkeit und Scheinmutterschaft

Dass eine Hündin in der Nachbrunst scheinträchtig wird und im Anschluss eine Scheinmutterschaft durchläuft ist erstmal völlig natürlich und als normal anzusehen. Auch, wenn die Hündin nicht gedeckt wurde, durchläuft ihr Körper den gleichen hormonellen Zyklus wie eine gedeckte Hündin. Dadurch verhält sie sich eben auch so.

Dabei ist darauf zu achten, dass die Hündin nicht unter ihrem Verhalten leidet. Dazu zählen z.B. tagelange nicht fressen, sehr gestresstes Verhalten, ständiger Nestbau oder völlige Antriebslosigkeit. Sollte deine Hündin solch ein Verhalten zeigen ist es angebracht mit ihr zum/zur Tierarzt*in zu gehen. Sie bekommt dort Medikamente, die die Hormonproduktion herunterfahren. 

Generell ist für den Umgang mit einer scheinträchtigen Hündin wichtig, dass die Hündin nicht bemitleidet wird. Sie sollte möglichst normal behandelt werden, sie ist weder trächtig, noch hat oder bekommt sie Welpen.

Wenn die Hündin Anzeichen einer Scheinmutterschaft zeigt, wie z.B. ein angeschwollenes Gesäuge und das zusammen sammeln von Spielzeug an einem Ort, dann sollte ebenfalls nicht darauf eingegangen werden. Auch ist darauf zu achten, dass das Gesäuge in dieser Zeit unbedingt in Ruhe gelassen wird. Sowohl von der Hündin selbst, als auch von uns.

Verhaltensänderungen durch die Läufigkeit

In ihrer Läufigkeit durchläuft die Hündin zahlreiche hormonelle Veränderungen, die auch einen großen Einfluss auf ihr Verhalten nehmen können.

Besonders während der ersten Läufigkeiten kann deine Hündin sehr verunsichert und durcheinander wirken. Für sie sind die ablaufenden Veränderungen in ihrem Körper neu und kaum verständlich.

Die Verhaltensänderungen können eine große Bandbreite einnehmen. Einige Hündinnen ziehen sich vermehrt zurück, wirken unsicher oder sogar ängstlich. Andere neigen zu verstärkten Zankereien und haben einen sehr kurzen Geduldsfaden, was aufdringliche Hunde oder Menschen angeht. Auch beim Fressverhalten kann es vorkommen, dass die Hündin entweder unbändigen Hunger oder Appetitlosigkeit entwickelt. Sollte dieser Zustand mehrere Tage anhalten, sollte es unbedingt tierärztlich abgeklärt und andere Ursachen ausgeschlossen werden.

Sobald Hündinnen scheinträchtig werden, werden sie in der Regel ruhiger und  bedächtiger, je weiter die Scheinträchtigkeit fortschreitet. Im Rahmen der Scheinmutterschaft können Hündinnen auch zu verstärkter, vermeintlicher Ressourcenverteidigung neigen, wenn sie ihre zusammen gesammelten Spielzeuge verteidigen. Die Spielzeuge sind für die Hündin in diesem Fall allerdings ihre Ersatz-Welpen, die es zu verteidigen gilt.

Solltest Du Verhaltensänderungen bei deiner Hündin bemerken und dir nicht sicher sein, ob diese noch normales Verhalten darstellen oder nicht, hole dir eine Einschätzung von einem/einer Hundetrainer*in.

Läufigkeit der Hündin

Weitere Infos rund um die Läufigkeit

Kann eine Hündin läufig sein, ohne zu bluten?

Ganz klares Ja!

In so einem Fall spricht man von einer ‘weißen’ oder ‘stillen’ Hitze. Die Läufigkeit der Hündin läuft ganz normal ab, jedoch sind die Anzeichen wie Anschwellen der Scheide und Blutungen kaum zu erkennen oder bleiben aus. Hier ist es sehr wichtig auf die Verhaltensweisen der Hündin zu achten, um einen ungewollten Deckakt zu vermeiden.

Die Läufigkeit im Alter

Bei Hündinnen gibt es keine Wechseljahre wie bei uns Menschen. Dementsprechend werden Hündinnen bis ins hohe Alter läufig. Es kann jedoch sein, dass die Abstände der Läufigkeiten größer werden.

Intakte Rüden & Hündinnen in einem Haus?

Das ist möglich, verlangt aber von allen Beteiligten viel Geduld, Impulskontrolle und Frusttoleranz.

Rüden können durchaus lernen nicht jede läufige Hündin decken zu wollen und sich zurück zuhalten, aber dies braucht Geduld und Konsequenz. Der Fokus im Training muss auf Impulskontrolle, Frusttoleranz und dem Lernen von angemessenem Sozialverhalten liegen. 

Die Hündinnen müssen aufdringliche Rüden wegdrohen dürfen und Rüden müssen die Grenzen der Hündinnen akzeptieren lernen.

Im zusammenleben von intakten Rüdenund Hündinnen ist ein gutes Management während der Läufigkeit und ein Training der Hunde unerlässlich für einen entspannten Umgang miteinander.

Noch Fragen?

Dann sprich mich gerne an!

>> Hintergrundwissen hilft das zu verstehen, was wir sehen. <<

Nina hammig

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