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Aggressiver Hund: Aggression ist auch Kommunikation

von | Aug 14, 2022 | Hund, Training

Lesedauer: 7 Minuten

In unserer Gesellschaft sind sämtliche aggressiven Verhaltensweisen zwischen uns Menschen aus guten Gründen verpönt und zum Teil verboten. Wir haben schließlich sehr viele andere Möglichkeiten uns miteinander auseinander zu setzen und eine Einigung zu finden.

Darum erschrecken uns aggressive Hunde wohl auch immer wieder auf’s Neue.

In der Welt unserer Hunde gilt Aggression aber auch als Kommunikation. Ihre Aggressionsäußerungen wie Knurren, Bellen und Co. dienen der Kommunikation mit anderen Hunden. Und mit uns.

aggressiver Hund Nina Hammig Training für mensch & Hund
Auf diesen beiden Bildern sieht man Hunde, die Drohgebärden zeigen und damit Abstand einfordern.

Stell dir mal vor, ein flüchtiger Bekannter, den du mit deinem Kind am Spielplatz triffst tätschelt ihm über den Kopf. Wenn dein Kind das nicht möchte hast du kein Problem, wenn es das sagt. Und du wirst sehr darauf achten, dass dein Kind dann auch von deinem Bekannten in Ruhe gelassen wird. Oder?

Jetzt stell dir vor, du triffst den gleichen Bekannten auf der Runde mit deinem Hund. Er beugt sich zu ihm herunter, will ihn streicheln. dein Hund knurrt. Wie reagierst du? Und was glaubst du möchte dein Hund?

Halte hier gerne kurz Inne und überlege dir, ob du mit deinem Hund vielleicht schon mal in so einer Situation warst. Und wie du reagiert hast.

Die meisten Hundehalter*innen schimpfen an dieser Stelle mit dem Hund, statt seine Bitte um mehr Distanz zu unterstützen, wie sie es bei ihrem Kind täten. Denn genau das sagt das Knurren des Hundes: ‘Ich möchte das nicht, geh bitte weg.’

Ihn dafür an zumeckern ist nicht wirklich fair, oder?

Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass unser Hund dann, nach ein paar erfolglosen Versuchen sich Fremde vom Hals zu halten und dafür auch noch angemeckert zu werden, nicht mehr knurrt, sondern gleich schnappt. Ansonsten wird er ja nicht wahrgenommen mit seinem Wunsch nach Abstand.

 

Ich möchte damit auf keinen Fall sagen, dass es immer absolut okay ist, wenn unsere Hunde aggressiv kommunizieren.

Ich möchte damit viel mehr eine Lanze für unsere Hunde brechen und dich bitten, dieses Verhalten mit dem Gedanken ‚Warum meint mein Hund jetzt aggressiv sein zu müssen?‘ anzuschauen.

Da die Gründe für aggressives Verhalten sehr vielfältig sind und das hier oben nur ein kurzes Beispiel war, werde ich im nächsten Blogartikel nochmal genauer auf mögliche Aggressionsgründe eingehen.

Impulskontrolle Hundetraining Nina Hammig

Kommunikation will gelernt werden

Das Aggressionsverhalten unserer Hunde, wenn Sie es denn lernen durften und in Teilen ausleben dürfen, ist sehr fein abgestuft. Es geht über wahnsinnig viele Stufen von Blicken über Körperspannung und -stellung zum Knurren, Bellen bis zum Beißen. Und all dies gibt es dann noch in zwei Varianten: Abwehrend und angreifend.

Diese Feinheiten lesen zu lernen ist unser Job als Hundehalter*in. Dazu bietet sich in jedem Fall die Unterstützung durch gute Hundetrainer*innen an.

Es ist wichtig, dass du erkennst wann dein Hund angespannt ist. Ob bzw. was er dir oder seinem Gegenüber gerade mit seinem Knurren, etc. sagen möchte. Und dass du deinem Hund dann in diesen Situationen hilfst, indem du das Steuer übernimmst. Deinen Hund zum Beispiel abschirmst oder mehr Abstand für ihn einforderst.

Nicht jedes Knurren, Bellen oder Schnappen ist als Hundehalter*in einfach einzuordnen. Man steckt da emotional viel zu sehr drin, wenn der eigenen Hund einen anknurrt oder gar versucht zu beißen. Ich kenn‘ diese Situation aus eigener Erfahrung.

 

Aber auch für unsere Hunde ist es wichtig diese Abstufungsmöglichkeiten und ihre Wirksamkeit lernen zu können. Sie brauchen dieses Wissen, um in einer sozialen Gruppe leben zu können.

Leider geht dieses Bewusstsein häufig verloren, wenn unsere Hunde zu sehr vermenschlicht werden und jegliches ‘aggressives Verhalten’ sofort unterbunden wird.

Die Folge? Hunde, die nicht mehr adäquat aggressiv kommunizieren können oder dürfen. Sie knurren oder bellen nicht mehr, wenn ihnen etwas nicht gefällt, sondern schnappen direkt zu, wenn es ihnen zu viel wird.

Endstation: Meist das Tierheim, abgestempelt als ‚aggressiv, gefährlich, nicht vermittelbar‘.

Aggressiver Hund im Haus: Und nun?

Ganz gleich, ob der Hund bereits gebissen und jemanden verletzt hat oder nur ‘geschnappt’ und niemanden erwischt hat: Oberste Priorität ist der Schutz aller Beteiligten.

Das kann so aussehen, dass der Hund einen Maulkorb trägt – Ja, auch innerhalb der Wohnung- oder auch getrennt von den Kindern gehalten wird.

Zudem sollte unbedingt zeitnah Unterstützung von erfahrenen einem/einer Hundetrainer*in in Anspruch genommen werden. Es ist wichtig genau zu schauen, was das Verhalten beim Hund ausgelöst hat, um dann einen Trainingsansatz zufinden. Zudem wird ein’r erfahrene*r Hundetrainier*in mit dir nicht nur das Hundetraining durchgehen, sondern dich auch im Lesen der Körpersprache deines Hundes unterstützen.

 

Ich stehe dir und deinem Hund bei Fragen und Problemen immer gerne zur Seite und schaue gerne mit euch, wo der Grund für das Verhalten liegt. Und wie du und dein Hund lernen könnt besser mit diesen Situationen umzugehen.

Impulskontrolle Hundetraining Nina Hammig
Auch wenn das rechte Bild sehr gefährlich aussehen mag ist, kann man es noch dem Spielverhalten zuzuordnen. Die Augen sind, für Spielverhalten typisch, sehr weit augerissen, die Maulspalte sehr weit nach hinten, die Körpersprache beider Hunde erscheint auf dem Foto eher entspannt.

>> Wir sind stärker, wenn wir zuhören und  schlauer, wenn wir teilen. <<

Rania Al Abdullah

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