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Aggressiver Hund: Wieso, weshalb, warum

von | Aug 21, 2022 | Hund, Training

Lesedauer: 9 Minuten
Im letzten Blogartikel habe ich erklärt, dass Aggression für Hund vorrangig eine Möglichkeit der Kommunikation ist.
Über die Gründe und Abstufungen von aggressivem Verhalten will ich dir heute mehr erzählen.
Aggressive Hunde Nina Hammig Training für Mensch & Hund

Die Gründe für aggressives Verhalten bei Hunden sind sehr vielfältig:

erlerntes Verhalten

krankheitsbedingt

Konkurrenz

Ressourcenverteidigung

Aufgrund des hormonellen Status

Stress

Überforderung

Verteidigung

Und noch unzählige mehr.

Aggressives Verhalten: Abstufungen

Sofern Hunde in jungem Alter angemessene Kommunikationsformen lernen durften, wird Aggression in vielen unterschiedlichen Varianten gezeigt. Und dies sowohl Hunden, als auch Menschen gegenüber.

Zum Einen wird zwischen offensivem, also angreifendem, und defensivem, dem abwehrenden, Aggressionsverhalten unterschieden. Offensive Verhaltensweisen sind meist daran zu erkennen, dass die gesamte Körpersprache (Blick, Ohren, Körperschwerpunkt, etc.) noch vorn in Richtung Gegner oder Gefahr zeigt. Werden Zähne gezeigt, dann sieht man häufig nur die vordere Hälfte des Gebisses.

In der Defensive zieht der Hund sich körpersprachlich eher vom Gegner/der Gefahr zurück. Die Ohren und der Körperschwerpunkt werden nach hinten verlagert, häufig sind die Hinterbeine leicht eingeknickt. Werden Zähne gezeigt sieht man in diesen Fällen meist das gesamte Gebiss, Getreu dem Motto ‘Schau, was ich an Waffen habe!’

Die Körpersprache kann, je nach Charakter des Hundes, auch zwischen offensiven und defensiven Zeichen wechseln.

Zum Anderen findet ‘gute’ aggressive Kommuniktion in vielen kleinen Schritten statt und kann von jedem ‘Schritt’ aus sowohl in den nächsten als auch in den vorherigen zurück gehen. Gesundes Aggressionsverhalten stellt keine Spirale dar, die sich kontinuierlich nach oben schraubt. Dabei gibt es im Groben die folgenden Möglichkeiten, jeweils in der offensiven/defensive Variante:

Annäherung & Imponieren/Beschwichtigen

Imponiergehabe hat wahrscheinlich schon jede*r mal gesehen. Die hunde machen sich groß, laufen staksig umher und Kopf und ruter werden meist sehr hoch und eher starr zur Schau getragen. Wichtig ist beim Imponieren zwischen sexuell motiviertem imponieren, also gegenüber dem anderen Geschlecht, und dem meist durch konkurrenz motiviertem imponieren gegenüber dem gleichen Geschlecht zu unterscheiden.

Und ja, auch Hündinnen zeigen Imponierverhalten gegenüber anderen Hündinnen.

Der defensive Gegenpart dazu ist das beschwichtigen. Dabei machen sich die Hunde meist klein und wenden ihren Blick ab. Je nachdem, wie gut die Hunde sich kennen kann es auch zu kurzem Schnauze lecken beim imponierenden Hund kommen oder die bescheichtigenden Hund lecken sich selbst über die Schnauze.

Angriffsdrohen/Abwehrdrohen & Flucht

In den Aggressionsstufen folgt nach dem Imponieren häufig das Drohen. Dieses gibt es sowohl im Angriff (offensiv) als auch in der Abwehr (defensiv).

Wie bereits beschrieben, deutet die Körpersprache beim Angriffsdrohen in Richtung Gegner, beim Abwehrdrohen vom Gegner weg, auch eine Flucht aus der Situation ist möglich.

Das Angriffs- und Abwehrdrohen ist von lautem Knurren und Bellen begleitet. Es kann in hohen Erregungslagen bereits erstes in die Luft schnappen gezeigt werden. 

Aggressive Hunde Nina Hammig Training für Mensch & Hund

links: offensives Drohverhalten, rechts: defensives Drohverhalten

Gehemmter Angriff /Gehemmte Abwehr

Das in die Luft schnappen kann sehr schnell dazu führen, dass die nächste Eskalationsstufe erreicht wird. Der sogenannte gehemmte Angriff bzw. gehemmte Abwehr & Flucht.

Auch in dieser Stufe ist die Kommunikation sehr laut, es wird viel gebellt und geknurrt. Es kommt zu Bissen, die sich vorwiegend auf den Nacken und oberen Halsbereich der Hunde konzentrieren. Beim gehemmten Angriff besteht immer noch keine explizite Verletzungsabsicht. Die beteiligten Hunde verfolgen immer noch das Ziel das gegenüber einzuschüchtern, die Bisse erfolgen nicht mit voller Kraft. Verletzungen sind trotzdem möglich. Die schwere kann je nach Größe der beteiligten Hunde stark variieren.

Je nach Möglichkeiten kann es in dieser Stufe auch zu einem Fluchtversuch des defensiven Hundes kommen.

Ungehemmter Angriff /ungehemmte Abwehr

In diesem Stadium einer Auseinandersetzung geht es um Leben und Tod.

Jetzt ist die Stufe erreicht, in der Hunde mit Verletzungsabsicht und aller Kraft zu beißen. Die Bisse richten sich häufig gegen den Bauch und die Kehle und sind auf größtmöglichen Schaden ausgerichtet.

In dieser Phase der Auseinandersetzung gibt es kein Knurren und Bellen mehr, denn die Hunde kommunizieren nicht mehr miteinander.

Auseinandersetzungen unter Hündinnen kippen schneller in dieses Stadium als Kämpfe unter Rüden.

Und was ist noch normal?

Die Beurteilung, ob ein Verhalten noch angemessenem oder schon übersteigert ist, ist für einen Laien oft sehr schwer.

Sobald bei dir Zweifel darüber aufkommen, ob dein Hund noch angemessenes Verhalten zeigt oder nicht, solltest du eine*n Hundertrainer*in dazu holen.

Bei der Beurteilung wird unter anderem darauf geachtet, ob der Hund abgestuftes Aggressionsverhalten zeigt, wie schnell er zwischen den Stufen wechselt und mit welcher Intensität er die Verhaltensweisen zeigt.

Umgang mit aggressiven Hunden

Aggressive Hunde Nina Hammig Training für Mensch & Hund

Wenn es um das Training mit aggressiven Hunde geht, solltest du dir unbedingt Unterstützung von erfahrenen Hundetrainer*innen holen und nicht allein versuchen ‘damit klar zu kommen’.

Aggressiver Hund in der Nachbarschaft

Gibt es in deiner Nachbarschaft einen für dich aggressiv scheinenden Hund, vor dem du oder vielleicht deine Kinder sich fürchten kannst du natürlich jederzeit das Ordnungsamt informieren und die prüfen das dann.

Es geht hier aber nicht darum, jeden bellenden und knurrenden Hund ‘anzuzeigen’. Es sollten nur Hunde gemeldet werden, bei denen du wirklich Angst hat, dass dir, deinem Hund oder jemand anderem etwas passieren könnte, weil der/die Halter*in den Hund z.B. nicht an der Leine festhalten kann oder der Hund von einem Grundstück ausbrechen und ungehindert knurrend Radfahrer verfolgen kann.

Ich empfehle allerdings, erst einmal das Gespräch mit dem/der Halter*in zu suchen. Häufig sind sie mit ihren Hunden bereits im Training oder empfinden das Verhalten als nicht so Angst einflößend. Da hilft es ihnen Rückmeldung von außen zu bekommen, damit sich diese Sichtweise ändert.

Wenn sich der/die Halter*in dann immer noch nicht einsichtig zeigt, bleibt dir immer noch der Weg zum Ordnungsamt.

Ruf dort am besten an und erfrage, wie dort ein Hund, der dir aggressiv und gefährlich vorkommt gemeldet werden kann.

Du hast noch Fragen oder benötigst Unterstützung beim Training deines Hundes?

Melde dich gerne bei mir!

>> Wir sind stärker, wenn wir zuhören und  schlauer, wenn wir teilen. <<

Rania Al Abdullah

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